Lehm, das Baumaterial der Vergangenheit und der Zukunft

Noch heute lebt etwa ein Drittel der Menschheit in Lehmhäusern, in Entwicklungsländern ist es mehr als die Hälfte. Auch in den Industrieländern, in denen sorglos mit den Ressourcen der Erde umgegangen wird, und durch eine kapital- und energieintensive Produktion Energie vergeudet, die Umwelt verschmutzt und Arbeitsplätze vernichtet werden, wird Lehm als Baustoff eine Renaissance erleben. Immer mehr Bauherrinnen und Bauherren wünschen sich ein energie- und Kosten sparendes Bauen, legen Wert auf ein gesundes, ausgeglichenes Raumklima und begreifen, dass der natürliche Baustoff Lehm den industriellen Baumaterialien wie Beton, Ziegel, Kalksandstein und Porenbeton überlegen ist.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse belegen: Lehm kann in wesentlich stärkerem Maße zur Verbesserung des Wohnklimas beitragen als andere Baustoffe. Erfahrungen mit neuen und verbesserten Lehmbautechniken zeigen, dass diese nicht nur für den Selbstbau, sondern auch für gewerblich ausgeführte Bauten wirtschaftlich sein können.

Lehmbautechniken sind seit Tausenden von Jahren bekannt und wurden in allen alten Kulturen angewandt. Im Mittelalter wurde Lehm in Deutschland überwiegend für die Ausfachung und das Verputzen von Fachwerkhäusern sowie als Brandschutz für Strohdächer verwendet. Der wichtigste Impuls für den Lehmbau in Deutschland kam Ende des 18. Jahrhunderts, als der französische Stampflehmbau durch die Schriften von Francois Cointeraux bekannt wurde. Nach dem ersten und zweiten Weltkrieg, als Baumaterial und Baugeld knapp waren, griff man wieder auf Lehm als Baustoff zurück. Seit etwa 1980 gibt es aufgrund des erwachten ökologischen Bewusstseins in Deutschland einen neuen Auftrieb für den Lehmbau, nun als Möglichkeit, die Umweltverschmutzung beim bauen zu verringern und ein gesundes Wohnklima in Gebäuden zu schaffen.

Lehm hat drei Nachteile, die bei Verwendung berücksichtigt werden müssen:

Diesen drei Nachteilen stehen allerdings erhebliche Vorteile gegenüber:

Lehmoberflächen werden durch Kasein- oder Kalkkaseinfarben wisch- und abriebfest, so dass sie sich feucht reinigen lassen, was bei Küchen und Bädern wünschenswert sein kann.

Im Vergleich zu gefliesten Badezimmer sind Bäder mit Lehmwänden sogar hygienischer, da sie die hohe Luftfeuchtigkeit nach dem duschen bzw. baden schnell reduzieren und sich deshalb keine Schimmelpilze bilden können.



Textquelle:
- Das neue Lehmbau-Handbuch, Gernot Minke